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Alkoholentzug: der Verlauf Stunde für Stunde, Tag für Tag

Von · Gründer von Rebuild Zuletzt aktualisiert: Aug 30, 2026 6 Min. Lesezeit

Kurze Antwort: Ein Alkoholentzug folgt meist einem vorhersehbaren Bogen: Die Symptome beginnen 6 bis 24 Stunden nach dem letzten Drink und erreichen ihren Höhepunkt zwischen 24 und 72 Stunden. Bei vielen Menschen klingen die akuten Beschwerden innerhalb der ersten Woche weitgehend ab, sie können aber auch länger anhalten. Schwere Komplikationen wie Krampfanfälle oder ein Delirium tremens können in den ersten Tagen auftreten und brauchen sofort ärztliche Hilfe.

Das Verwirrendste an den ersten nüchternen Tagen ist, nicht zu wissen, was wann kommt. Ein klares Bild vom zeitlichen Verlauf des Entzugs nimmt Angst, hilft dir zu erkennen, was normal ist, und zeigt dir, wann etwas sofort abgeklärt gehört.

Sicherheit zuerst: Alkoholentzug ist ein ernster Zustand, der schnell lebensbedrohlich werden kann — unter anderem durch Krampfanfälle und Delirium tremens. Wenn du viel oder täglich trinkst, kann ein plötzlicher Stopp gefährlich sein — hol dir ärztliche Hilfe, bevor du es versuchst. Wer schon einmal einen Krampfanfall im Entzug oder ein Delirium tremens hatte, sollte die Trinkmenge nicht ohne vorheriges Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt senken.

Der Alkoholentzug im Überblick

Zeit nach dem letzten Drink Was passiert
6–12 Stunden Erste Symptome beginnen
12–24 Stunden Symptome verstärken sich; Anfallsrisiko steigt
24–48 Stunden Härteste Phase für die meisten; höchstes Anfallsrisiko
48–96 Stunden Zeitfenster, in dem ein Delirium tremens am häufigsten auftritt
Tag 4–5 Bei vielen lassen die Symptome nach
Tag 5–7 Der akute Entzug klingt bei den meisten ab
Woche 2–4+ Bei manchen halten mildere Symptome länger an

Stunde 0–6: die Ruhe davor

In den ersten Stunden nach dem letzten Drink fühlen sich viele noch relativ normal — vielleicht etwas gereizt, vielleicht unruhig. Der Körper hat das volle Entzugssignal noch nicht registriert.

Wer täglich trinkt, kann dieses Zeitfenster als trügerisch harmlos erleben. Die Beschwerden kommen, sie sind nur noch nicht da.

Stunde 6–12: die ersten Symptome

Dein Nervensystem merkt, dass der Alkohol fehlt. Die hemmenden Systeme im Gehirn, die der Alkohol unterdrückt hat, feuern wieder freier.

Das kann dein Körper erleben:

  • Angst oder ein wachsendes Unbehagen
  • Leichtes Händezittern, besonders auffällig beim Greifen nach etwas
  • Schwitzen, auch ohne Anstrengung
  • Übelkeit oder Appetitlosigkeit
  • Herzrasen
  • Schwierigkeiten, in den Schlaf zu finden

Diese Symptome sind echt und unangenehm, aber für viele Menschen mit Ruhe, viel Flüssigkeit und einer reizarmen Umgebung zu bewältigen.

Stunde 12–24: die Symptome verstärken sich

Ab hier fordert der Entzug mehr Aufmerksamkeit. Was leicht angefangen hat, lässt sich jetzt schwerer übergehen.

  • Das Zittern wird deutlicher
  • Die Angst kann massiv hochschießen
  • Kopfschmerzen, manchmal stark
  • Erbrechen ist möglich
  • Blutdruck und Puls steigen
  • In diesem Fenster steigt das Anfallsrisiko — Krampfanfälle im Entzug treten typischerweise 8 bis 48 Stunden nach dem letzten Drink auf

Sicherheitswarnung: Ein Krampfanfall im Alkoholentzug ist ein medizinischer Notfall. Wenn du oder jemand in deiner Nähe einen Anfall hat, ruf sofort den Notruf 911 an — auch wenn der Anfall von selbst aufhört. Kommt ein zweiter Anfall, folgt er meist innerhalb von etwa sechs Stunden nach dem ersten.

Stunde 24–48: der Höhepunkt

Für die meisten Menschen ist das die härteste Strecke. Der Körper steckt mitten im Entzug, das Nervensystem läuft auf Hochtouren, und die Symptome können erdrückend wirken.

Was in diesem Fenster häufig vorkommt:

  • Starkes Schwitzen, bis hin zu durchnässten Nächten
  • Deutliches Zittern
  • Herzstolpern
  • Extreme Angst oder Panik
  • Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen
  • Schlaflosigkeit trotz völliger Erschöpfung
  • Verwirrtheit oder Konzentrationsprobleme

Die meisten Krampfanfälle im Entzug fallen in diese Strecke — über 90 % treten innerhalb von 48 Stunden nach dem letzten Drink auf. Wer über längere Zeit täglich viel getrunken hat, sollte zwischen Stunde 24 und 48 unbedingt beobachtet werden — am besten ärztlich. Unser kostenloser Entzugsrisiko-Check geht die Faktoren durch, die jemanden in diese Gruppe bringen.

Stunde 48–96: das kritische Fenster für schwere Komplikationen

Das Delirium tremens (DT) — die gefährlichste Form des Alkoholentzugs — beginnt am häufigsten 48 bis 96 Stunden nach dem letzten Drink, kann aber auch 7 bis 10 Tage später auftreten. Nur eine kleine Minderheit im Entzug ist betroffen, doch für Menschen mit bestimmten Risikofaktoren ist die Gefahr real.

Anzeichen eines Delirium tremens:

  • Tiefe Verwirrtheit oder Desorientierung
  • Halluzinationen — Sehen, Hören oder Fühlen von Dingen, die nicht da sind
  • Schwere Unruhe und Erregung
  • Hohes Fieber
  • Schneller, unregelmäßiger Herzschlag

Sicherheitswarnung: Ein Delirium tremens kann tödlich enden. Mit Behandlung liegt die Überlebensrate bei etwa 95 %; ohne Behandlung überleben rund 15 % der Betroffenen es nicht. Das lässt sich zu Hause nicht bewältigen. Beim geringsten Anzeichen eines DT: ruf den Notruf 911 an.

Tag 3–5: die Wende

Wer keine schweren Komplikationen erlebt, spürt nach der 72-Stunden-Marke, wie die Symptome nach und nach nachlassen. Die schärfsten Kanten des Entzugs — die heftige Angst, das starke Zittern, das Herzrasen — werden stumpfer.

Dein Körper kann sich weiterhin so anfühlen:

  • Erschöpft und ausgelaugt
  • Ängstlich oder emotional dünnhäutig
  • Vom schlechten Schlaf gezeichnet
  • Benebelt oder langsam im Denken

Aber die Richtung dreht sich: von schlimmer werdend zu besser werdend. Das ist ein echter Meilenstein.

Tag 5–7: der akute Entzug klingt ab

Zum Ende der ersten Woche sind die akuten Entzugssymptome bei den meisten verschwunden oder deutlich schwächer. Das Schlimmste liegt hinter dir.

Viele spüren jetzt eine Mischung aus Erleichterung und einer unerwarteten emotionalen Schwere. Die körperliche Krise ist vorbei, aber das Gehirn stellt sich noch neu ein. Die Energie kann im Keller sein. Die Stimmung kann kippen. Das ist normal.

Ein Werkzeug wie die Rebuild-App, mit dem du Tag für Tag festhältst, wie es dir geht, macht deinen eigenen Fortschritt in dieser Strecke sichtbar — auch dann, wenn es sich nicht nach Fortschritt anfühlt.

Woche 2–4 und danach: das protrahierte Entzugssyndrom

Manche Menschen erleben nach dem akuten Entzug eine längere Phase mit schwächeren Beschwerden. Man nennt sie protrahiertes Entzugssyndrom (PAWS). Dazu gehören:

  • Angst, die kommt und geht
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit
  • Wenig Antrieb oder Freudlosigkeit
  • Konzentrationsprobleme

PAWS-Symptome kommen eher in Wellen, als dass sie durchgehend anhalten. Über Wochen bis Monate bessern sie sich üblicherweise, während das Gehirn weiter heilt.


Häufig gestellte Fragen

Verläuft ein Entzug bei allen gleich?

Nein. Der Verlauf oben zeigt ein typisches Muster, aber jeder erlebt ihn anders — abhängig davon, wie viel und wie lange jemand getrunken hat, vom Alter, vom allgemeinen Gesundheitszustand und davon, ob es schon einmal einen Entzug gab. Manche haben einen milderen Verlauf, andere einen schwereren.

Lässt sich der Verlauf mit Medikamenten verkürzen?

Ja. Medikamente wie Benzodiazepine (unter ärztlicher Aufsicht gegeben) beruhigen das Nervensystem im Entzug und können Schwere und Dauer verringern. Sie senken außerdem das Anfallsrisiko deutlich.

Was, wenn die Symptome nach Tag 3 immer noch schwer sind?

Symptome, die sich nach 72 Stunden verschlimmern statt zu bessern — oder Anzeichen von Verwirrtheit, Halluzinationen oder Krampfanfällen zu irgendeinem Zeitpunkt — gehören sofort ärztlich abgeklärt. Eine Verschlechterung gehört nicht zum normalen Verlauf.

Ist es normal, sich an Tag 2 schlechter zu fühlen als an Tag 1?

Ja. Tag 2 ist für die meisten härter als Tag 1. Der Bogen der Symptome erreicht seinen Höhepunkt rund um Stunde 48 bis 72, bevor er abflacht. Wenn es sich an Tag 2 schlimmer anfühlt, ist nichts schiefgelaufen — meist bedeutet es, dass du am Höhepunkt bist.


Was du als Nächstes lesen solltest

Quellen

  1. 1. Alcohol Withdrawal: Symptoms, Treatment & Timeline — Cleveland Clinic
  2. 2. Alcohol withdrawal — MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine
  3. 3. Delirium Tremens — Cleveland Clinic
  4. 4. Alcohol Withdrawal Syndrome (StatPearls) — NCBI Bookshelf, National Institutes of Health
  5. 5. Complications of Alcohol Withdrawal: Pathophysiological Insights — Alcohol Health and Research World (NIH/PMC)
  6. 6. Delirium tremens — MedlinePlus, U.S. National Library of Medicine
  7. 7. Introduction to Alcohol Withdrawal — Alcohol Health and Research World (NIH/PMC)
  8. 8. Alcohol-related liver disease: Treatment — NHS

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Über den Autor

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Ziggy hat Rebuild gebaut, die App zur Alkoholentwöhnung hinter dieser Seite, und recherchiert und schreibt alles, was hier erscheint. Er ist kein Arzt — die Artikel arbeiten mit Primärquellen wie NIAAA, CDC, WHO und begutachteter Literatur, und die Gesundheitsleitfäden nennen, worauf sie sich stützen. Mehr über Ziggy.

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